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Insulin-Therapie

Heute werden in Deutschland hauptsächlich drei verschiedene Konzepte der Insulintherapie bei Menschen mit Diabetes angewandt:


a) die Konventionelle Insulintherapie (CT)
b) die Basis-Bolus-Therapie (BBT), auch Intensivierte Konventionelle Insulintherapie (ICT) genannt
c) die Insulinpumpentherapie (CSII = Kontinuierliche Subkutane Insulin-Infusion).

Für die dargestellten Insulintherapien werden zwei verschiedene Insulinarten benötigt: Kurzwirksames und langwirksames Insulin.

Dies ist zum einen das kurzwirksame bzw. Bolusinsulin, von dem 2 verschiedene Sorten erhältlich sind: Normalinsulin (siehe Abbildung 1): Es beginnt ca. 15 Minuten nach dem Spritzen zu wirken und hat eine Wirkdauer von 4 bis 6 Stunden.
Kurzwirksames Analoginsulin beginnt sofort nach der Injektion zu wirken und die Wirkdauer hält 2 bis 3 Stunden an.


Die zweite Insulinsorte ist das Verzögerungs- bzw. Basalinsulin. Es handelt sich hierbei um Normalinsulin, dem Verzögerungsstoffe (meistens Protamin oder auch Zink) beigemischt wurden (siehe Abbildung 2). Die Wirkdauer ist wesentlich länger und liegt bei 8 bis 12 Stunden. Das Verzögerungsinsulin beginnt ca. 1,5 Stunden nach dem Spritzen
ins Unterhautfettgewebe zu wirken (sogenanntes NPH-Insulin).
Es gibt neben dem NPH-Insulin auch verschiedene langwirksame Analoginsuline, die 12 bis 24 Stunden wirken.




Normalinsulin

Abbildung 1: Wirkkurve Normalinsulin



Verzügerungsinsulin

Abbildung 2: Wirkkurve Verzögerungsinsulin



Konventionelle Insulintherapie:

Bei der konventionellen Insulintherapie (CT = conventional insulin treatment) wird zwei mal täglich eine bestimmte Menge Mischinsulin aus kurz- und langwirksamem Insulin gespritzt. Die Wirkkurven der beiden beschriebenen Insuline aus Abbildung 1 und 2 liegen jetzt übereinander (siehe Abbildung 3). Diese Insuline sind bereits in fertigen Mischungen im Handel, wobei Mischinsuline in verschiedenen Mischungsverhältnissen verfügbar sind.
Durch zwei Spritzen am Tag lassen sich so 3 Haupt- und 3 Zwischenmahlzeiten abdecken. Durch den permanent hohen Insulinspiegel sind Zwischenmahlzeiten notwendig, die etwa zwei bis drei Stunden nach den Hauptmahlzeiten eingenommen werden müssen. Ohne Zwischenmahlzeiten kommt es zu einer Unterzuckerung. An jedem Tag müssen ungefähr zur gleichen Zeit die gleichen Mengen an Kohlenhydraten gegessen werden - und die zweimal täglichen Gabe eines Mischinsulins. Ein schnelles Reagieren auf „Blutzuckerspitzen“ ist nicht möglich. Die CT ist sehr unflexibel und deshalb nur für Menschen geeignet, die einen streng geregelten Alltag haben und/oder nicht in der Lage sind, sich mehr als 2 mal täglich zu Spritzen.

Mischinsulin

Abbildung 3: Wirkkurve Mischinsulin



Basis-Bolus-Therapie:

Bei der Basis-Bolus-Therapie wird versucht, die Insulinproduktion beim Nichtdiabetiker möglichst genau nachzuahmen: Wie man in Abbildung 4 sehen kann, wird über den ganzen Tag eine Grundmenge an Insulin produziert, auch ohne dass etwas gegessen wird (auch basale Insulinproduktion
genannt). Diese Insulinproduktion ist notwendig, um die Stoffwechselfunktionen aufrechtzuerhalten. Immer wenn etwas gegessen wird, kommt es zusätzlich zu einer raschen, deutlichen Insulinausschüttung (die Spitzen in Abbildung 4), um die Kohlenhydrate in der Mahlzeit, die gerade gegessen wurde, zu verarbeiten. Es handelt sich also um eine Art Zwei-Komponenten-System. Bei der Basis-Bolus-Therapie wird nun die basale Insulinproduktion durch zwei- oder dreimal tägliche Injektion eines Verzögerungsinsulins erreicht. Die Abdeckung der Mahlzeiten erfolgt zusätzlich mit dem schnell wirksamen Insulin (siehe Abbildung 5). Der Unterschied zur Konventionellen Insulintherapie besteht hauptsächlich darin,
dass das Kurzzeitinsulin nur dann gespritzt wird, wenn auch tatsächlich gegessen wird. Man kann Mahlzeiten verschieben oder weglassen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Menge an Kohlenhydraten für jede Mahlzeit nicht festgelegt sein muss. Man kann mit dieser Therapieform heute ein Brötchen zum Frühstück essen und morgen drei.
Zusätzlich hierzu wird vor jeder Mahlzeit der aktuelle Blutzucker gemessen und ggf. bei einem erhöhten Wert eine zusätzliche Menge Kurzzeitinsulin zur Korrektur dieses Wertes gespritzt. Das Prinzip der Basis-Bolus-Therapie besteht darin, mehrfach täglich Insulin zu spritzen, um die Insulinproduktion des Nichtdiabetikers nachzuahmen. Es wird bei jeder Mahlzeit neu berechnet, wie viel Insulin für die
geplante Kohlenhydrat-Menge benötigt wird. Dafür gibt es aber fast keine Einschränkungen hinsichtlich Menge und Zeitpunkt der eingenommenen Mahlzeiten mehr.




Nicht Diabetiker

Abbildung 4: Insulinausschüttung beim Nichtdiabetiker



ICT

Abbildung 5: Wirkkurven (Basis-Bolus-) ICT - Therapie



CSII

Abbildung 6: Wirkkurve Pumpen-Therapie



Insulinpumpen-Therapie:

Bei der Insulinpumpentherapie wird nur kurzwirksames Insulin verwendet, meist ein kurzwirksames Analoginsulin. Die Insulinpumpe enthält eine Patrone mit dem Insulin, das mit Hilfe eines kleinen Motors über einen Katheter in das Unterhautfettgewebe abgegeben wird. Die Insulinpumpe sorgt nun dafür, dass über den Tag gleichmäßig verteilt immer wieder eine ganz kleine Menge Insulin abgegeben wird. Hierdurch wird noch genauer als bei der Basis-Bolus-Therapie die basale Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse nachgeahmt.
Wenn ein Diabetiker mit einer Insulinpumpe eine Mahlzeit essen will, ruft er über die Bedienknöpfe der Pumpe zusätzlich eine Menge Normalinsulin zur Abdeckung der Kohlenhydrate und gegebenenfalls für die Korrektur des Blutzuckers ab. Das Prinzip der Insulinpumpentherapie besteht
darin, genau wie bei der Basis-Bolus-Therapie die Insulinproduktion eines Nichtdiabetikers nachzuahmen. Mit einer Insulinpumpe gelingt die Nachbildung einer gleichmäßigen Basisversorgung über 24 Stunden noch besser als bei der Basis-Bolus-Therapie mit Spritzen oder Pens.
Wichtig ist dies vor allem während der Nacht, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Ein Ausschlafen am Morgen ist ebenfalls wieder möglich.